photografische Arbeiten
when she leaves, Cairo/Gaza 2006
face to face, Gaza 2007
when she leaves
Räume, in denen sich Dinge befinden, die zu Orten werden, Inseln gleich. Orte verwandeln den Raum in einen Raum. Blicke schweifen. Wir suchen Orientierungspunkte, die den Raum vermessen, ihn verorten. Funktional, emotional. Spuren von Menschen, einer Haltung. Die Zeit steht still. Eine Karthografie der Erinnerung. Orte werden vergessen. Und werden bewegt, wieder aufgestellt. Im Raum sind sie aufgeräumt, sie machen Platz, geben Raum. Sie sind starr und verharren. Und werden bedeckt. Zum Schutz vor Licht und Staub und dem Dunkel der Nacht. Abstand halten, beobachten – von Aussen, in räumlicher Entfernung; von Innen Distanz bewahren. Herangehen, sezieren, begutachten. Sich wieder entfernen. Auf sich wirken lassen.
Portraitfotos aus dem Passbildautomaten: ein für die Abbildung eines Fotos, das den gesetzlichen Bestimmungen der Verwendung von Fotos als visueller Nachweis der Identität in Pässen entspricht, eigens produzierter Apparat. Glücklich die, die einen Pass haben? Schon mal ein Foto machen für den Eventuellfall? Sonst keine Benutzung der Maschine möglich. Spielplatz privater Instant-Fotos, für die Grimassen geschnitten werden, die Hand winkt zum Grusse (auf dem Foto unscharf), frisch verliebte Fotos. Das Ich für das Foto inszenieren. Eingefrorene Momente, Trophäen einer Selbstdarstellung. Die KunststudentInnen der Al-Aqsa-Universität in Gaza, Palästina, stehen sich gegenüber. Wir, die wir dazukommen, finden sie in einem Gespräch, das wir in ihrer Mimik und ihren Körperhaltungen lesen. Farbtupfer. Ein Gegenüber kreieren.
counting years
Audioinstallation
eine Zusammenarbeit mit Köppl/Zacek, Schweiz
Der deutsche Terminus ”Vom Hörensagen” ist hier eine Anlehnung an den arabischen Ausdruck kalam al-nas – people’s talk. Im Gegensatz zum Gerücht hat dieser Ausdruck keinen klaren Ursprung, noch verfolgt er ein bestimmtes Ziel. Wir hören das Gesagte: Jahreszahlen. Die Stimmen sind in Al-Wahdat und Al Baqa’a aufgenommen, palästinensische „Lager“ in und um Amman, Jordanien, die längst zu kleinen Städten mit Infrastruktur gewachsen sind. Alte und junge Menschen, Frauen und Männer zählen Jahre – vom Geburtsjahr ab so weit, wie sie wollen. Manche zählen weit hinaus in die Zukunft. Das Timbre ihrer Stimmen verrät uns vielleicht andeutungsweise etwas über den emotionalen Gehalt, der mit den Jahreszahlen verbunden ist. Die Uhr tickt, die Zeit läuft. Die Jahreszahlen komprimieren Erlebtes und assoziierte Erfahrungen. Erinnerungen werden an nachfolgende Generationen weiter gegeben. Die Erzählungen mischen sich mit gegenwärtigen Geschichten, sie verändern sich. Die einst als Übergang gedachte Situation ist längst ein permanentes Kontinuum geworden. Das Gedächtnis verblasst; Hoffnungen bleiben. Diese Arbeit wurde während dem Projekt „No Condition is Permanent“, Interventionen im öffentlichen Raum, in Amman 2007 erarbeitet. An einem Tag vermischen sich die palästinensischen Stimmen mit der Erkennungsmelodie der Wagen, die kreuz – und quer durch die Stadt fahren und Gasflaschen zum Verkauf geladen haben. Auf der Frequenz 92.4 FM von AmmanNet wurde das geschnittene Band ausgestrahlt.
Videoarbeit, Amman 2007
In einer kleinen Gasse in der Ammaner Altstadt ist eine Werkstatt, in der mit semi-mechanischen Maschinen das Emblem der Arabischen Armee auf Uniformen gestickt wird. Der Ort und die Art der Herstellung lassen Nostalgie für die pan-arabische Idee aufkommen, die sich Anfang letzten Jahrhunderts als Unabhängigkeitsbewegung vom osmanischen Reich entwickelte. Abzeichen, aufgeladen mit heldenhaften Taten zur Verteidigung von Land und Haltung, werfen Schatten der Geschichte.
© Rayelle Niemann, Kairo, März 2008







